EU-Umweltschützer verlieren beim Kampf gegen Quecksilber den Überblick
Holger Krahmer, umweltpolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament zur Abstimmung über Quecksilberhaltige Messinstrumente:
Straßburg – Ohne Not hat das Europäische Parlament am Dienstag die Produktion traditioneller Barometer verboten. Die Abgeordneten stimmten für eine Richtlinie, mit der der Verkauf neuer quecksilberhaltiger Messgeräte in der EU untersagt wird. Für Ausnahmeregelungen gab es keine Unterstützung. Das bedeutet, dass nicht nur klassische Fieberthermometer verschwinden werden, sondern auch die letzten Handwerksbetriebe, die in Europa mechanische Barometer (Luftdruckmessgeräte) herstellen.
“Im Glauben, man könnte Quecksilber völlig verbieten, werden heute eine Menge Handwerker ruiniert”, sagt Holger Krahmer, der umweltpolitische Sprecher der FDP im Europaparlament. “Und morgen wollen die Kollegen am liebsten die Energiesparlampe gesetzlich vorschreiben. Die enthält auch Quecksilber. Bei flächendeckender Verbreitung der Leuchten hätten wir mindestens soviel davon in den Haushalten verteilt, wie mit den Barometern. Die Handwerker sind trotzdem pleite.”
Quecksilber schadet der Umwelt und über die Nahrungskette auch dem Menschen. “Es ist richtig, die Risiken beim Einsatz von Quecksilber zu minimieren”, so Krahmer. “Ein teures Barometer wird kaum weggeworfen, eine kaputte Sparlampe samt Quecksilber schon. Damit sind falsch entsorgte Leuchten die größere Gefahr für Umwelt.”
Weltweit werden jährlich 3600 Tonnen Quecksilber verarbeitet, 300 Tonnen davon in der EU. Der Bedarf für mechanische Messgeräte in der EU, vor allem Thermometer, wird auf 33 Tonnen geschätzt. Deren Einsatz im professionellen Bereich ist zwar geregelt, dennoch ist es schwierig Quecksilber aus dem Abfall und damit der Umwelt fern zu halten. Die Richtlinie stoppt den Verkauf von Neugeräten, nicht aber den Gebrauch vorhandener Geräte oder den Handel aus zweiter Hand.



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