Dienstag, 07. September 2010 | 03:01:34 Uhr

Holger Krahmer | Mitglied des Europäischen Parlaments

Zeigt das Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und gibt einen Einblick in die tagespolitische Arbeit.

Mit der Keule gegen den Pflanzenschutz

“Wir haben heute Bauern das Leben schwer und Lebensmittel teurer gemacht”, kritisiert Holger Krahmer, der umweltpolitische Sprecher der FDP im Europaparlament die heutige Abstimmung über die Pestizidverordnung.

Der Umweltausschuss des Europäischen Parlaments stimmte in vielen Punkten für eine Verschärfung des Kommissionsvorschlags zur Neuregelung der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln. Dabei gab es bereits gegen am ursprünglichen Entwurf heftige Kritik von Landwirten und Herstellern.

“Das pauschale Verbot von Wirkstoffen ist gerade groß in Mode und völlig naiv”, so Krahmer. Dieser Ansatz ignoriert das tatsächliche Risiko beim Einsatz des Mittels auf dem Feld. Stattdessen werden Stoffe verboten, weil sie unter Bedingungen gefährlich sein können, die in der Realität nie vorkommen müssen. “Das schützt weder Menschen noch Umwelt”, so Krahmer. “Wenn zu wenig Wirkstoffe zur Verfügung stehen, können Bauern nicht zielgerichtet gegen Schädlinge kämpfen und es entstehen Resistenzen.”

Die Wirkstoffe, die vom Markt genommen werden, müssen von forschenden Chemieunternehmen ersetzt werden. Aber auch für die Industrie ist das Abstimmungsergebnis ungünstig. “Wir zwingen die Unternehmen zu teuren Studien, damit wir ihre Produkte zulassen und überlassen die Ergebnisse dann denen, die die Produkte nur kopieren. Unter solchen Bedingungen investiert niemand.”

Folge dieser Politik: In Europa wird eine effiziente Schädlingsbekämpfung mit vernünftigem Risikomanagement erschwert. Allerdings steigen Nachfrage und Preise pflanzlicher Rohstoffe, also muss Pflanzenschutzpolitik auch die Versorgungssicherheit im Auge behalten. Der Umweltausschuss hat das völlig außer Acht gelassen.

Der nächste Schritt ist die Abstimmung im Plenum im Oktober. Dort sind die Mehrheitsverhältnisse anders als im Umweltausschuss und das Ergebnis der Abstimmung könnte dort gemäßigter ausfallen.

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