Weißbuch Ernährung, Übergewicht, Adipositas
Plenardebatte 24. September 2008
Weißbuch Ernährung, Übergewicht, Adipositas
Herr Präsident!
Ich begrüße den Ansatz sehr, den wir in dem Weißbuch beschreiben, dass wir den Ursachen von Fehlernährung und Fettleibigkeit und daraus folgenden Krankheiten auf die Spur kommen. Leider verfallen wir in der Lebensmittelpolitik in Europa, ganz egal, ob wir über Nährwertprofile reden, über Lebensmittelkennzeichnung oder auch an manchen Stellen in dem Weißbuch, in einen sehr einseitigen Ansatz. Wir versuchen nämlich die Probleme, die wir in Europa haben, über die Produktpolitik zu lösen.
Ich glaube, dass es ein grundsätzlich falscher Politikansatz ist, davon auszugehen, dass es gute und schlechte Lebensmittel gibt. Viele Änderungsanträge zeigen das, das gibt es nicht. Es gibt nur gute und schlechte oder eben ausgewogene und unausgewogene Ernährungsweisen. Das sollte unser Ansatz sein. Die Ursachen für falsche Ernährung sind vielschichtig. Sie dadurch beheben zu wollen, dass wir versuchen, den Verbraucher durch Produktkennzeichnung zu lenken oder gar mit Werbeverboten oder Regulierungen oder mit unterschiedlichen Mehrwertsteuersätzen vorzugehen, wird uns nicht zum Ziel führen.
Ich will jetzt nicht der Kennzeichnungsverordnungsdebatte vorgreifen, aber ich glaube, alles, was wir hier tun, sollte ein bisschen unter der Überschrift stehen: Was können wir tun, um den Verbraucher dazu zu motivieren, über seine Ernährungsgewohnheiten nachzudenken. Eine Ampelkennzeichnung, die ihm suggeriert: Ich stehe jetzt vor einem guten oder schlechten Produkt, ist meines Erachtens eher ein Instrument der Entmündigung als ein Instrument der Bildung und Aufklärung. Deswegen wünsche ich mir hier einen ausgewogeneren Ansatz und die Erkenntnis, dass uns allein der Weg über die Produktpolitik nicht weiterbringen wird.



Holger Krahmer in Social Media Networks
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