Samstag, 04. September 2010 | 05:40:56 Uhr

Holger Krahmer | Mitglied des Europäischen Parlaments

Zeigt das Mitglied im Ausschuss für Umweltfragen, Volksgesundheit und Lebensmittelsicherheit und gibt einen Einblick in die tagespolitische Arbeit.

Lebensmittelkennzeichnung: Weltfremde Debatte

Der Streit um die Lebensmittelkennzeichnung ist vorerst entschieden: Die Abgeordneten stimmten dafür, das von der Industrie bevorzugte GDA*-Modell zur Vorschrift zu machen. Fünf Nährwerte (Energie, Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker, Salz) müssen künftig auf der Packungsvorderseite abgedruckt werden. Die Angaben bilden den Anteil der betreffenden Nährstoffe am Tagesbedarf ab, gemessen an 100 Gramm des Produkts.

„Chance vertan“, urteilt Holger Krahmer, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP im Europäischen Parlament:

„Das Parlament hat heute die Chance vertan, eine einfache Regelung zur Lebensmittelkennzeichnung zu verabschieden. In der Lobbyschlacht zwischen Lebensmittel-Konzernen und Verbraucherschützern hat die Lebenswirklichkeit von Verbrauchern keinen Platz gefunden.

Anstatt neutrale Nährwertmengen in Bezug auf 100 Gramm lesbar auf Verpackungen drucken zu lassen, diskutieren wir, ob der Tagesbedarf einer 40-jährigen Frau als Bezugsgröße dienen kann, oder ob die farbliche Kennzeichnung von Nährwerten eine sinnvolle Entscheidungshilfe ist.

Irgendwo zwischen Volkserziehung und Konzerninteressen ist der Verbraucher auf der Strecke geblieben.“

Abgelehnt wurden weiter gehende Forderungen nach einem Modell, das GDA und Ampel kombiniert hätte, also die GDA-Tabelle, mit zusätzlichen farbigen Markierungen. Ausgeschlossen wurden weiterhin nationale Sonderregelungen, das jetzt beschlossene Modell soll europaweit einheitlich gelten. Angenommen wurden hingegen weitgehende Pflichten zur Kennzeichnung der Herkunft von Zutaten.

* GDA: „Guideline Daily Amount“

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